Conference Championships der NFL: Der finale Showdown der verstoßenen Quarterbacks

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Nick Foles (Philadelphia Eagles) gegen Case Keenum (Minnesota Vikings)

Nein, darauf haben selbst die größten Experten nicht gewettet. Das NFC-Finale zwischen den Minnesota Vikings und den Philadelphia Eagles ist eine Riesenüberraschung, mit der kaum einer gerechnet hat. Riesenüberraschung? Ach was, diese Paarung ist eine echte Sensation. Zudem hätte wohl keiner gedacht, dass Case Keenum und Nick Foles die Quarterbacks sein würden. Beide gingen als Backups in die Saison. Und mutierten zu den großen Hoffnungsträgern ihrer Teams. Eine im wahrsten Sinne des Wortes märchenhafte Story.

Beide waren Ersatzspieler und blickten einer tristen Saison hinter der Seitenlinie entgegen. Doch es kam anders. Da ist auf der einen Seite Case Keenum. Der 29-Jährige Spielmacher der Vikings kennt die Sorgen eines glücklosen Verstoßenen nur zu gut. Ein Mann, der keinen berühmten Namen trägt. Dessen Vertrag lumpige 2 Millionen Dollar wert ist und nur bis zum Saisonende läuft. Der im Draft der besten Hochschulspieler im Jahr 2013 leer ausging und sich auf dem NFL-Arbeitsmarkt durchschlagen musste. Der zwar ein Team fand (Houston Texans), aber weder dort noch später in Los Angeles richtig über das Reservistendasein hinauskam. Und der im vergangenen Frühling zunächst auch in Minnesota nur als Bankdrücker verpflichtet wurde, als Spielmacher Nummer 3.   Doch dann zog sich bei den Wikingern 2016 Quarterback-Talent Teddy Bridgewater eine gravierende Knieverletzung zu. Und Ersatz Sam Bradford erwischte es schon nach einem Saisonspiel. Da schlug die Stunde von Keenum. Mit dem Nobody verloren die Vikings zwar zwei der drei ersten Spiele, von den restlichen 12 gewannen sie aber 11. Plötzlich war Nobody der Größte. Souverän führte der Underdog sein Team in die Play-offs.

Als er am 31. März einen Einjahres-Vertrag in Minnesota unterschrieb, sagte er: „Es hat mich gefreut, dass ein Team mich wirklich gewollt hat.“ Ein Gefühl, dass Keenum bisher nicht kannte. Cheftrainer Mike Zimmer hält nun große Stücke auf seinen Spielermacher: „Case hat herausragende Anlagen, doch er brauchte die richtige Ausgangslage, um endlich in dieser Liga Fuß zu fassen. Er ist schlau und kann seine Qualitäten ganz genau einschätzen. Er ist schnell, energiegeladen und sieht, was auf dem Feld passiert.“

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Auf der anderen Seite steht Nick Foles von den Philadelphia Eagles. Seine Chance kam, als sich Star-Quarterback Carson Wentz im Dezember einen Kreuzbandriss zuzog. Carson war der große Hoffnungsträger. Fast schon ein Held. 1960 gewann Philadelphia das letzte Mal die Meisterschaft im American Football. Damals gab es den Superbowl noch gar nicht. Wentz sollte die Durststrecke beenden. Philadelphia ist eine verrückte Football-Stadt, Heimspiele seit 19 Jahren ausverkauft. Die Warteliste für Saisontickets umfasst mehr als 40.000 Namen. Sie wird Jahr für Jahr länger, denn mehr als 99 Prozent der Anhänger verlängern ihr Abo, obwohl sie bislang vergeblich auf den Titel warten. Im Gegensatz zu Keenum startete Foles wie eine Rakete in die NFL. 2013 spielte er bei den Adlern die Saison seines Lebens, schaffte sieben Touchdown-Pässe in einem Spiel (NFL-Rekord), führte Philadelphia in die Play-offs. Doch auf den rasanten Höhenflug folgte der brutale Absturz. 2014 – Schlüsselbeinbruch. 2015 musste er die Eagles verlassen. Nach katastrophalen Jahren in St. Louis und Kansas City kehrte er zu Saisonbeginn nach Philadelphia zurück. Als Ersatzmann für Wentz. Nach dessem Aus verfiel ganz Philadelphia in kollektive Schockstarre. Das Vertrauen in Foles war gleich null. Doch auch er entstieg wie einst Phönix aus der Asche und führte sein Team in das Conference Finale. Offensive Coordinator Frank Reich vertraut seinem Spielmacher: „Er hat in seiner Karriere bewiesen, zu was er in der Lage ist.

Kurios: Foles und Keenum haben eine gemeinsame Vergangenheit. Beide spielten 2015 bei den LA Rams. Als die Rams 2016 Jared Goff verpflichteten, mussten letztlich beide gehen. Dennoch, sie blieben in Kontakt. „Nick ist einer meiner besten Freunde. Wir waren auch in dieser für uns ziemlich wilden Saison immer in Verbindung.“ Die gemeinsam bis dato eher glücklose Geschichte schweißt offensichtlich zusammen. Foles lobt seinen ehemaligen Partner: „Cases Erfolg überrascht mich nicht. Ich weiß, was er kann. Schließlich haben wir jeden Tag zusammengearbeitet.“ Den Erfolg sieht er nicht als Zufall. Er sendet eine Botschaft an alle Zweifler: „Egal, was passiert. Du musst immer an dich glauben und niemals aufgeben.“ Jetzt sind die Kumpels sozusagen wiedervereinigt und können beweisen, welcher Nobody der Größte ist. (Autor: Ronald Toplak)

Conference Championships (Halbfinale) im Free-TV:

21. Januar, ab 19:05 Uhr: Die 20 spektakulärsten Geschichten zum Super Bowl auf ProSieben
21. Januar, ab 20:40 Uhr, AFC: – Jacksonville Jaguars – New England Patriots live auf ProSieben und ran.de
22. Januar, ab 22:40 Uhr, NFC: Minnesota Vikings –  Philadelphia Eagles live auf ProSieben und ran.de

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