Goldstern Laura Dahlmeier: Ich verneige mich vor der kleinen Riesin!

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Was war das für ein Auftakt für das deutsche Team bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. Damit hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet. Goldrausch. Goldfieber. Schwarz-Rot-Gold. Ich bin geblendet vom Goldglanz der DSV-Athleten. Moment. Bevor ich weiterschreibe, muss ich mir erstmal den Goldstaub und die dahinter versteckten Tränen der Freude aus den Augen wischen.

Gold. Gold. Gold. Gold. Dazu Silber und zwei Mal Bronze. Aber! Vier! Mal! Gold!  Andreas Wellinger, Arnd Peiffer – vor allem aber Laura Dahlmeier. D wie Dahlmeier. D wie Draumfrau. Das! Deutsche! Dreamgirl! Im D-Zugtempo rast unser Goldstern von Olympiasieg zu Olympiasieg.

Eigentlich wollte ich ja von einem ganz anderen Sportler berichten. Über Noriaki Kasai. Er nimmt als erster Sportler zum achten Mal an Winterspielen teil. Flugsaurier oder Schanzenevergreen wird der Japaner liebevoll genannt. Der 45-jährige Skispringer ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Geschichte von meiner Faszination über diesen Dino wird verschoben. Aber nicht aufgehoben. Versprochen.

Denn derzeit werde ich zu sehr von den sensationellen Ergebnissen des deutschen Olympia-Teams überrollt. Die Größte unter den Großen ist Laura Dahlmeier. Dieser nur 1,62 m kleine und 52 kg schwere Powerzwerg aus Garmisch-Partenkirchen schreibt weiter am ultimativen Wintermärchen.

Siegertrio: Die Slowakin Anastasiya Kuzmina, Laura Dahlemeir und  Anaïs Bescond aus Frankreich. Foto: Sergei Bobylev/TASS/dpa |

D wie Dahlmeier. D wie Druck. Der lastete gigantisch auf den Schultern des zierlichen Biathlon-Flohs. Lauras Stern ging im Winter 2016/17 mit sechs Medaillen bei der WM in Hochfilzen auf, davon fünf aus Gold. „Mein Ziel war es nie, Promi zu werden, sondern Biathletin“, bekannte die 24-Jährige kürzlich. Plötzlich kapitulierte sie sich endgültig ins Rampenlicht. Die Woge der Begeisterung schwappte, überflutete sie. Klar, denn Biathlon hat sich längst zur TV-Volkssportart entwickelt. 3,89 Millionen schauten in der Vorsaison im Schnitt die Übertragungen im ZDF. Alle fiebern – mit „unserer Laura“. Auch ich. Nicht nur beruflich. Weil sie so bodenständig wirkt. So ehrlich. So nett. So bescheiden. So bayrisch. Jeder möchte ein Stückchen von ihr. „Das ehrt mich, aber es macht den Alltag nicht leichter“, sagt sie um Zurückhaltung flehend. Fast schämt man sich bei diesen Worten für seinen Job als Reporter. So einen Ansturm an Medienanfragen habe man noch nie erlebt, staunte der DSV. Laura weiß, dass der Rummel noch größer wird. Allgemeingut will sie aber auf keinen Fall sein. Dagegen kämpft sie mit aller Macht. So zäh und verbissen, wie in den Loipen dieser Welt. „Für mich gibt es noch andere Dinge im Leben außer Biathlon.“

Es wird für Laura diesbezüglich nicht einfach. Denn sie ist auf dem Weg zum absoluten Superstar der Spiele. Deutschlands Sportlerin des Jahres holte in Pyeongchang nicht nur ihr zweites Gold, sondern als erste Skijägerin überhaupt das Double aus Sprint und Verfolgung. Solch ein Kunststück gelang bislang nur Rekord-Olympiasieger Ole Einar Björndalen aus Norwegen.

Gold bei Olympia. Das war Lauras „Kindheitstraum.“ Und ihr Berufswunsch. Neben Hüttenwirtin. Hinter den ersten kann sie zwei ganz fette Haken machen, nachdem sie vor vier Jahren in Sotschi leer ausging. Vielleicht, ach was, sicherlich kommen noch ein paar weitere dazu. Selbst der noch nie dagewesene Olympia-Triumph mit sechsmal Gold in sechs Rennen ist möglich.

Ich traue Laura den Sechserpack zu. D wie Dominanz. D wie Disziplin.  D wie Doppelgold. D wie Dahlmeier. Ich verneige mich vor der kleinen Riesin.